Barsch angeln im Oktober kann so aussehen: Samstag, kurz nach acht, du stehst auf dem Bootssteg, an dem im August fast jeder Wurf einen Barsch brachte. Heute zupft einmal ein fingerlanger Barsch am Gummi, dann ist Ruhe. Draußen treibt ein Boot über der Kante, und der Typ darin hebt alle paar Minuten einen Barsch über die Bordwand, als würde er sie dort abholen.
Die Barsche sind nicht weg. Sie sind umgezogen: zu den Futterfischschwärmen, an Kanten, in Häfen und ins Tiefe, wo dein 3-Gramm-Jigkopf vom Sommer kaum noch ankommt. Wo sie jetzt stehen und womit du sie kriegst, verraten Guides und Barschprofis aus Schweden, Finnland, den Niederlanden, der Schweiz und England. Einen Wochenplan für den ganzen Oktober gibt es obendrauf.
Das Wichtigste in 30 Sekunden
- Im Oktober bilden Barsche große Schwärme. Wer den Futterfisch findet, findet die Barsche.
- Die Tiefe hängt vom Gewässer ab: In manchen Seen stehen sie auf 2 bis 4 Metern, in anderen auf 6 bis 9 Metern an Kanten und Rinnen.
- Große Barsche jagen oft am Schwarmrand und in kleineren Gruppen.
- Unter etwa 10 Grad werden Jig und Dropshot zur ersten Wahl, und die Führung wird langsamer.
- Wechsle lieber die Farbe als ständig den Ködertyp.
- Im Oktober beißen Barsche oft am besten bei Tageslicht, auch mittags.
1. Barsch angeln im Herbst: Was im Oktober unter Wasser passiert
Im Oktober rücken die Kleinfische zu dichten Schwärmen zusammen, und die Barsche ziehen hinterher, um sich Reserven für den Winter anzufressen. Sinkt die Temperatur, klumpen sie sich oft zu großen Schwärmen zusammen, so beobachtet es der Schwede Tom Backlund, der 2016 den Perch Pro gewann.
Das ist die gute und die schlechte Nachricht zugleich. Je kälter das Wasser, desto konzentrierter scheinen die Barsche zu stehen, sagt der schwedische Filmer Tobias Ekvall. Wo sie sind, fängst du einen nach dem anderen. Daneben ist das Wasser leer.
Den Startschuss gibt die Wassertemperatur. Seine besten Tage hat Magnus Diesner aus Schweden, der mehr als hundert Barsche über 1,6 Kilo gefangen hat, wenn das Wasser von 12 auf 8 Grad sinkt. Der Finne Juha Tissari, der mit Guide Teemu Hiltunen am Pielavesi unterwegs war, berichtet, dass sich die Schwärme meist bilden, sobald das Wasser unter 12 Grad fällt.
2. Geheimtipp 1–3: Barsche im Oktober finden
Geheimtipp 1: Such den Futterfisch, nicht den Barsch
Barsche im Oktober finden heißt zuerst: Kleinfische finden. „Wo sich die Barschbeute tummelt, passt der Platz, egal wo, eigentlich immer“, schreibt Johannes Dietel im deutschen Magazin FISCH & FANG.
Wie tief das ist, entscheidet dein Gewässer. Diesner sucht im Herbst auf 2 bis 4 Metern, dort, wo sich der Futterfisch sammelt. Am Pielavesi fand Tissari die Schwärme im Spätherbst auf 6 bis 9 Metern in Senken und an Kanten. Nimm diese Zahlen als Suchrahmen, nicht als Gesetz.
Geheimtipp 2: Kanten, Engstellen und Kanäle sind jetzt Durchgangsstraßen
Wo sammelt sich der Futterfisch? Meist an Kanten von Untiefen, an Unterwasserrücken, an tiefen Löchern und in Engstellen zwischen zwei Seeteilen, wie der Schwede Andreas Ingrids beobachtet, der für seine dicken Herbstbarsche bekannt ist. Kanäle sind ein Sonderfall: Weil sich Barsche je nach Jahreszeit mal im einen, mal im anderen verbundenen Gewässer wohler fühlen, kommt es dort laut Dietel zu „regelrechten Stachelritterzügen“, vor allem im Mai, Oktober und November.
Große Barsche stehen im Herbst und Winter im flacheren Wasser direkt neben tiefen Abbrüchen, so ein Guide-Bericht im dänischen Magazin Fisk & Fri über den Niederländer Rob Kraaijeveld. Such also die Hänge ab. Auch die Forschung spricht für Kanten: Telemetrie-Daten des Berliner Angelwissenschaftlers Robert Arlinghaus (Humboldt-Universität zu Berlin und IGB) zeigen, dass große Barsche mit Sendern in einem 25 Hektar großen Natursee übers ganze Jahr ein klares Tag-Nacht-Muster hatten, die Krautkanten bevorzugten und grundnah standen.
Geheimtipp 3: Ohne Boot? Häfen, Außenkurven und Stege
Für Uferangler sind Häfen jetzt Gold wert: Von Oktober bis März ist dort laut Dietel exzellentes Barschangeln möglich. Wo der Grund flach ist, machen schon 30 Zentimeter Tiefenunterschied den Platz, weiß der Niederländer Han van den Eertwegh, der jahrelang große Winterbarsche in Häfen gefischt hat.
Am Fluss stehen Herbstbarsche meist am Grund, wo die Strömung schwächer ist: in tieferen Außenkurven, hinter Brückenpfeilern, an Bootsstegen und an Einmündungen. So beschreibt es Ivan Valetny im Schweizer Magazin Petri-Heil für die Aare.
3. Geheimtipp 4–5: Großbarsch oder Schwarm?
Geheimtipp 4: Die Dicken stehen am Rand
Kennst du das? Du findest den Schwarm, fängst zwanzig Barsche, und keiner hat mehr als 25 Zentimeter. Die größeren jagen oft am Rand des Schwarms, sagt Andreas Ingrids. Dort wirft er tiefer laufende Wobbler hin, nicht mitten in die Zwerge.
Dazu passt, was der Däne Malthe Ryge beobachtet: Je größer die Barsche, desto kleiner die Gruppen. Tom Backlund denkt bei der Suche wie ein einsamer Soldat: Wo würde ich mich verstecken, und wann würde ich zum Fressen rauskommen? Seine Antwort: Deckung wie Steine, Kraut und Schilf und tiefe Kanten mit viel Struktur.
Geheimtipp 5: Geh größer und bleib nach dem ersten Dicken
Große Köder können die größten Barsche aus großen Schwärmen holen, schreibt der Finne Jarno Kangas und hält im Oktober Gummis von sogar 13 Zentimetern für richtig. Auch Daz Starkey warnt in der britischen Angling Times davor, zu klein zu fischen, und startet oft mit 12 Zentimetern.
Hängt der erste Dicke, bleib. Manchmal gerät der Rest des Trupps in eine Art Fressrausch und folgt dem gehakten Fisch bis ans Boot, erzählt Ryge. Und Han van den Eertwegh hat erlebt: Wo du einen großen Barsch fängst, fängst du meistens mehr.
Aus der Jury
Wie sehr die 40-Zentimeter-Marke selbst Profis reizt, hörst du im rbb-Podcast „Angebissen“. Für die Folge „Sommerangeln Maximal: Wir wollen den 40er Barsch“ hat Maxi (Angeln Maximal) das Team auf sein Boot im Havel-Seen-Gebiet zwischen Brandenburg und Mecklenburg-Vorpommern eingeladen. Gefischt wird quer durch die Wassersäule, vom Oberflächenköder bis zum Skirted Jig. Im Interview mit hejfish verrät Maxi, wann er am liebsten loszieht: „Am liebsten angle ich im Frühjahr und im Herbst mit guten Freunden.“

4. Geheimtipp 6–7: Barsch Herbst Köder und die passende Technik
Geheimtipp 6: Fünf Lagen, fünf Techniken
Beim Barsch angeln im Herbst entscheidet die Lage am Wasser über die Technik. Such dir deine aus:
- Du weißt noch nicht, wo sie stehen: Nimm einen Crankbait und such Strecke ab. Angelautor André Pawlitzki startet im Spätherbst, so schreibt er im deutschen Magazin BLINKER, mit 2,5 bis 3,5 Metern Tauchtiefe und geht tiefer, je kälter es wird.
- Es steht noch Kraut: Dann ist das Texas-Rig dran. Der Schwede Adam Orre fischt es von Ende August bis Anfang Oktober im Kraut.
- Das Wasser fällt unter 10 Grad: Für Tom Backlund ist jetzt der Jig erste Wahl. Am Pielavesi liefen laut Tissari auf 6 bis 9 Metern Gummis von 3 bis 4 Zoll, also 7,5 bis 10 Zentimeter, an 8 bis 12 Gramm schweren Köpfen.
- Die Barsche sind da, beißen aber nicht: Zeit fürs Dropshot. Pawlitzki bindet den Haken 50 bis 70 Zentimeter über das Blei und schleift das Rig langsam über den Grund. Der Pole Paweł Mirecki verlängert das Vorfach, je träger die Fische sind, auf bis zu 1,5 Meter.
- Die Dicken kleben im Tiefen am Grund: Im französischen Magazin Pêche et Poissons rät Guide Vincent de Bruyne für große Herbst- und Winterbarsche zu Metallködern, langsam geführt: 7 bis 10 Gramm auf 1 bis 4 Metern für eine schwebende Führung, 14 bis 21 Gramm, wenn der Köder auf 6 bis 12 Metern den Grund antippen soll.
Geheimtipp 7: Wechsle die Farbe, nicht ständig den Köder
Magnus Diesner hat einen Rat, der Geld spart: Statt dauernd den Ködertyp zu wechseln, probiert er vier bis fünf Farben durch, denn die Farbwahl sei wichtiger als der Jig selbst. Tissari startet natürlich und probiert im Spätherbst Gelb und Orange. Daz Starkey fischt in trübem Wasser dunkel, an hellen Tagen natürlich mit grün-blauem Rücken und silbernen Flanken, an trüben Tagen Firetiger oder Pink.
Auch die Form zählt: Jarno Kangas nimmt schlanke Gummis, wo Stint und Maräne das Futter sind, und hochrückige bei Rotaugen. Und Andreas Ingrids sagt: Der Barsch will Krebs, auch wenn es im See gar keine Krebse gibt.
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Geheimtipp 8: Lies Möwen, Ringe und Echolot
Der schwedische Autor Björn rät im Magazin Outdoor, auf Möwen zu achten: Wo sie stoßtauchen und ins Wasser platschen, ist Fisch. Ivan Valetny hat ein Zeichen für Uferangler: Siehst du Anfang Herbst immer wieder Ringe von Kleinfischen, lohnt es sich, dort den Grund abzuklopfen.
Mit Boot gilt: mehr suchen als angeln. Malthe Ryge verbringt nach eigener Aussage mehr Zeit mit der Suche als mit dem Angeln. Hat Tobias Ekvall einen Schwarm gefunden, ankert er und angelt senkrecht darunter wie beim Eisangeln. Lassen die Bisse nach, wirft er leichte Metallköder, um den Schwarm zurück ans Boot zu locken.
Geheimtipp 9: Ausschlafen ist erlaubt
Und dein Samstag um acht? Han van den Eertwegh fing seine Winterbarsche im Hafen vor 10 Uhr so gut wie nie, am besten lief es zwischen 10 und 14 Uhr. Juha Happonen sieht im Oktober die hellen Mittagsstunden vorn, und Jarno Kangas beobachtet, wie sich die Beißzeit im Laufe des Oktobers vom Morgen und Abend in den Tag verschiebt.
Beim Wetter sind sich die Profis nicht einig: Diesner fängt bei stabilem Luftdruck am besten, Kangas eher an feuchten Tiefdrucktagen. Mach es wie Diesner und notier dir Temperatur, Luftdruck und Wind, wenn es richtig gut läuft. Und hab Geduld: Ingrids erlebt die Beißphasen im Herbst oft kurz, aber heftig.
6. Fünf Oktober-Fehler, die dich Fische kosten
- Am Sommerplatz kleben: Im Spätherbst ziehen sich die Barsche laut Dietel ins Tiefe zurück.
- Zu schnell führen: Beim Ned-Rig kommen bei Starkey rund drei Viertel der Bisse, während der Köder stillsteht.
- Zu früh heimfahren: Das beste Fenster liegt im Oktober oft mitten am Tag.
- Ständig den Ködertyp wechseln: Teste lieber vier bis fünf Farben desselben Köders.
- Nach dem ersten Dicken weiterziehen: Wo ein großer Barsch beißt, stehen oft weitere.
7. Barsch angeln im Oktober: Dein Plan Woche für Woche
| Phase | Wasser | Wo du suchst | Köder und Führung |
|---|---|---|---|
| Anfang Oktober | oft noch über 12 °C, Kraut teils grün | Krautkanten, Stege, flache Bereiche direkt am Tiefen, Ringe von Kleinfischen | Crankbait zum Suchen, Texas-Rig im Kraut; zügig mit Stopps |
| Mitte Oktober | etwa 12 bis 10 °C, Schwärme bilden sich | Kanten von Untiefen, Rinnen, Engstellen, Kanäle; Möwen und Echolot | Gummi am Jigkopf, tiefer laufender Wobbler am Schwarmrand; Farben durchtesten |
| Ende Oktober | unter 10 °C | Häfen, Außenkurven, tiefe Kanten mit Struktur; späten Vormittag und Mittag einplanen | Jig langsam am Grund, Dropshot mit langen Pausen, Metallköder grundnah |
Die Temperaturen sind Richtwerte, jedes Gewässer tickt etwas anders. Verlass dich am Ende auf den Futterfisch: Wo er steht, stehen die Barsche.
Schon an den November gedacht? Dann rücken die Barsche noch enger zusammen, und Adam Orre hält den November sogar für die beste Zeit auf große Barsche. Unseren November-Plan bekommen alle im Newsletter zuerst, zusammen mit Angeboten mit bis zu 50 % Rabatt: hier kostenlos eintragen.
8. Deine Barsch-Checkliste fürs Wochenende
- Wassertemperatur checken und die passende Zeile im Plan suchen
- Futterfisch suchen: Möwen, Ringe an der Oberfläche, Echolot
- Kanten, Engstellen, Häfen und Außenkurven auf die Karte setzen
- Crankbait zum Suchen, Jig und Dropshot zum Fangen
- Jigköpfe und Bleie für 6 bis 9 Meter, nicht nur 3 Gramm
- Vier bis fünf Farben vom gleichen Köder
- Bis in den Nachmittag bleiben und Wetter notieren
- Regeln von Bundesland und Gewässerordnung gecheckt
Fehlen dir noch Finesse-Köder für Punkt 4? In der Better Barsch Box stecken Köder für Dropshot und Texas-Rig, die Winterausgabe geht am 1. November raus.
9. Häufige Fragen zum Barsch angeln im Oktober
Wo stehen Barsche im Oktober?
Barsche stehen im Oktober dort, wo sich die Futterfischschwärme sammeln: an Kanten von Untiefen, an Unterwasserrücken, in Rinnen, Engstellen, Kanälen und Häfen. Am Fluss stehen sie am Grund in strömungsberuhigten Bereichen wie Außenkurven und hinter Brückenpfeilern.
Wie tief stehen Barsche im Herbst?
Das hängt vom Gewässer ab, meist zwischen 2 und 9 Metern. Entscheidend ist, in welcher Tiefe der Futterfisch steht.
Welcher Köder ist im Herbst der beste für Barsch?
Im Herbst fangen vor allem Gummifische am Jigkopf und das Dropshot-Rig, dazu Crankbaits zum Suchen und das Texas-Rig im Kraut. Für große Barsche darf der Gummi ruhig 12 bis 13 Zentimeter lang sein.
Welche Köderfarbe für Barsch im Herbst?
Starte mit natürlichen Farben und teste dann grelle wie Gelb, Orange, Firetiger oder Pink, in trübem Wasser auch dunkle. Probier lieber vier bis fünf Farben desselben Köders, als ständig den Ködertyp zu wechseln.
Zu welcher Uhrzeit beißen Barsche im Oktober?
Im Oktober beißen Barsche oft am besten tagsüber, auch mittags. Je weiter der Herbst fortschreitet, desto mehr verschiebt sich die Beißzeit in die hellen Stunden.
Darf ich im Oktober auf Barsch angeln?
Ja, in aller Regel ist der Oktober ganz normale Barschzeit. Schonzeiten, Mindestmaße, Entnahmeregeln und Nachtangeln legt aber dein Bundesland fest, dazu kommt die Gewässerordnung vor Ort.
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