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Catch and Release: Wie viele Fische überleben wirklich?

Catch and Release im Faktencheck: wie viele Fische überleben, was sie tötet und wie du Hecht, Zander, Barsch und Forelle schonend zurücksetzt.

Von der Better-Fishing-Jury
24. Oktober 2026 · 15 Min. Lesezeit

Catch and Release: Maxi (Angeln Maximal) aus der Better-Fishing-Jury hält einen großen Hecht waagerecht im Boot

Catch and release ist an deinem Gewässer längst Standard: Fast jeder setzt seine Hechte zurück, „die schwimmen doch wieder“. Kennst du das? Samstag früh, Thermoskanne, dein bester Spot – und nach drei Stunden an der Kante immer noch kein Biss. Von Saison zu Saison wird es zäher.

Jetzt eine Zahl, die erst mal nicht zusammenpasst: Bei der Hälfte aller Schätzwerte einer großen Meta-Analyse starben höchstens 7,8 % der zurückgesetzten Fische – und trotzdem stirbt im Schnitt etwa jeder sechste Fisch (15,9 %). Den Unterschied machen wenige Handgriffe. Einer der unterschätzten Momente kommt erst nach dem Drill (Abschnitt 3). Und ob sich zurückgesetzte Fische an Köder erinnern, dieser Frage ist Maxi aus unserer Jury mit Prof. Robert Arlinghaus vom IGB nachgegangen.

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Das Wichtigste in 30 Sekunden

  • Recht: keine bundeseinheitliche Regel – Tierschutzgesetz, Landesfischereirecht und Gewässerordnung entscheiden.
  • Überleben: Im Mittel sterben 15,9 % der zurückgesetzten Süßwasserfische, im Median 7,8 %.
  • Risiken: tiefer Hakensitz, warmes Wasser, lange Zeit an der Luft, große Fangtiefe, Naturköder und Widerhaken.
  • Praxis: im Wasser oder Kescher abhaken, Lösezange griffbereit, Foto in Sekunden, Fisch waagerecht stützen.
  • Schmerz: Die Debatte ist offen, Stress klein halten gilt so oder so.

1. Was ist Catch and Release?

Catch & Release heißt: fangen und wieder zurücksetzen. Beim Catch and Release Angeln gibt es zwei Fälle: Pflicht ist das Zurücksetzen bei einem Hecht in der Schonzeit oder einem Zander unter Mindestmaß. Freiwillig ist es, wenn der Fisch mitdürfte und du ihn trotzdem schwimmen lässt.

Zurücksetzen in Deutschland: Was ist erlaubt?

Eine bundeseinheitliche Regel gibt es nicht. Grundlage ist das Tierschutzgesetz: Fangen darfst du einen Fisch nur mit „vernünftigem Grund“. Ob du zurücksetzen darfst, musst oder entnehmen musst, regeln das Fischereirecht deines Bundeslandes und die Gewässerordnung. Schau in den Erlaubnisschein, frag im Zweifel im Verein – nicht am Stammtisch.

Wann Hecht und Zander geschützt sind, findest du in unseren Beiträgen Hecht Schonzeit und Zander Schonzeit.

2. Wie viele Fische überleben Catch and Release?

Forscher des IGB haben für das Süßwasser 252 Schätzwerte aus 107 Studien zusammengeführt. Ergebnis: Im Mittel sterben 15,9 % der Fische nach dem Fang und Zurücksetzen, der Median liegt bei 7,8 %, die Spanne reicht von 0 bis 88,5 %. Rund 60 % aller Werte liegen unter 10 %.

Heißt: Die meisten Situationen gehen glimpflich aus, ein paar richtig schlechte – tief geschluckter Haken, warmes Wasser, langes Hantieren – ziehen den Schnitt hoch. Ob dein Fisch zur Mehrheit gehört, liegt zu einem guten Teil in deiner Hand.

FischfamilieBeispieleMittlere Sterblichkeit
Barschartige (Percidae)u. a. Zander, Barsch19,9 ± 5,3 %
Salmonidenu. a. Forelle15,9 ± 1,4 %
Hechtartige (Esocidae)Hecht14,9 ± 7,0 %
Karpfenartigeu. a. Karpfen5,7 ± 1,6 %
Alle Süßwasserfische252 Schätzwerte15,9 ± 1,3 % (Median 7,8 %)

Die Plus-minus-Werte zeigen, wie unsicher die Mittelwerte sind – bei Hechtartigen und Barschartigen besonders.

Was die Forschung sagt

Laut Hühn und Arlinghaus steigt die Sterblichkeit mit der Wassertemperatur, Naturköder und Widerhaken führten zu signifikant mehr toten Fischen als Kunstköder und widerhakenlose Haken. Fischgröße und Hakentyp zeigten keinen Zusammenhang. Die Autoren empfehlen widerhakenlose Haken, Kunstköder und kein Zurücksetzen bei hohen Wassertemperaturen.

Ein Review mit überwiegend Meeresfischen und Salmoniden (Bartholomew & Bohnsack 2005) kam auf 18 % im Mittel und 11 % im Median, mit dem Hakensitz als wichtigstem Faktor.

Einschränkungen: Der Mittelwert fasst viele Arten und Methoden zusammen. Europäische Originalstudien sind selten, daher wurden verwandte Arten einbezogen; die Autoren fordern mehr Forschung zu europäischen Fischen.

Quelle: Hühn & Arlinghaus, American Fisheries Society Symposium 75 (2011); Bartholomew & Bohnsack, Reviews in Fish Biology and Fisheries (2005)

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3. Die 5 Faktoren, die zurückgesetzte Fische töten

Diese fünf Faktoren tauchen in den Studien immer wieder auf – und bei jedem hast du einen Handgriff in der Hand.

1. Der Hakensitz

Die norwegische Lachsforschung nennt tiefen Hakensitz in Schlund oder Kiemen als Hauptursache für Tod nach dem Zurücksetzen, Maulwunden sind weniger kritisch. Im niederländischen Hechtversuch waren tiefer Hakensitz und blutende Wunden die Hauptfaktoren. Ein sofortiger Anhieb senkt laut der norwegischen Lachsforschung das Risiko, dass der Haken tief sitzt.

Sitzt der Haken trotzdem tief, nicht reißen: Das Herausziehen bei tief gehakten Fischen ist im Review ein eigener Risikofaktor. Die niederländischen Forscher raten, das Vorfach am Hakenöhr zu kappen, soweit rechtlich möglich. Mehr dazu im Beitrag zum Texas Rig.

Und dann die Regel, die viele überrascht: Blutet es aus den Kiemen, stirbt der Fisch wahrscheinlich – die norwegischen Forscher raten dann vom Zurücksetzen ab. Ob du ihn entnehmen darfst oder musst, regeln Landesrecht und Gewässerordnung.

2. Die Wassertemperatur

Je wärmer das Wasser, desto mehr Fische sterben – das zeigen beide Übersichtsarbeiten. Hecht und Salmoniden reagieren besonders empfindlich; in den heißesten Monaten rät der schwedische Anglerverband Sportfiskarna, auf Catch & Release zu verzichten. Für Forellen nennt die Fischereibehörde von Maryland Zahlen: Über 20 °C lieber auf andere Arten ausweichen, bei 18–19,5 °C morgens fischen, den Fisch im Wasser lassen, keine Fotos.

3. Die Zeit an der Luft – der unterschätzte Moment

Ein warmer Augusttag, der Hecht liegt im Kescher, und dann geht die Suche los: Wo ist das Handy? Wer macht das Foto? Das ist der versprochene Moment. Kritisch werden kann es nach dem Drill, beim Fotoshooting an der Luft – umso mehr, je wärmer das Wasser ist. Das zeigen zwei Studien aus Kanada – allerdings an Sonnenbarsch und Bachsaibling, nicht am Hecht.

Was die Forschung sagt

Gingerich und Kollegen hielten 438 Bluegill (ein nordamerikanischer Sonnenbarsch) in Ontario bis zu 16 Minuten (960 Sekunden) an die Luft, bei 18,3, 22,8 und 27,4 °C Wassertemperatur. Die verzögerte Sterblichkeit nach 48 Stunden lag bei 2,6 %, 1,9 % und 39 %, bei 27,4 °C und 16 Minuten an der Luft bei bis zu 80 %.

Brownscombe und Kollegen untersuchten 337 Bachsaiblinge in vier Seen in Quebec. Über 19,5 °C führten mehr als 30 Sekunden an der Luft zu mehr Reflexausfällen und längerer Erholung. Fische über 32,8 cm verloren schon nach mehr als 10 Sekunden häufiger das Gleichgewicht, und das hing mit der Sterblichkeit zusammen. Von den geangelten Fischen starben 6 % (9 von 141) innerhalb von 18–24 Stunden.

Einschränkungen: Bluegill ist kein Raubfisch, 16 Minuten sind weit länger als im Alltag. Beim Bachsaibling (Salmonide) wurde nur 18–24 Stunden beobachtet, die Schwellen sind Modellergebnisse.

Quelle: Gingerich et al., Fisheries Research (2007); Brownscombe et al., Conservation Physiology (2022)

Praxisregel der US-Initiative Keep Fish Wet: höchstens zehn Sekunden an der Luft, Foto möglichst im Wasser.

4. Tiefe und Trommelsucht bei Zander und Barsch

Zander und Barsch haben eine geschlossene Schwimmblase. Holst du sie aus großer Tiefe, dehnt sich das Gas aus – die Trommelsucht, auch Barotrauma genannt: Der Bauch bläht sich auf, der Fisch treibt oben. Sportfiskarna rät deshalb: Wer zurücksetzen will, fischt nicht tiefer als etwa 10 m.

Eine Studie an 76 Walleye, dem nordamerikanischen Verwandten des Zanders, gefangen in 7,5–12 m Tiefe (im Schnitt 9,01 m), zeigt das deutlich: 97 % hatten einen aufgeblähten Bauch, 100 % trieben auf. Von 14 Kontrollfischen ohne Hilfsmittel kam keiner zurück in die Tiefe. Einschränkungen: 10 Minuten Beobachtung, keine Sterblichkeit gemessen, ein See, kein europäischer Zander (Madden et al., 2024). Bemerkenswert: Die Fische kamen im Schnitt aus gut 9 m – Trommelsucht ist also auch in weniger als 10 m Tiefe möglich.

In Nordamerika wird auch das Venting erforscht, also das Anstechen der Schwimmblase. In Deutschland ist das rechtlich und fachlich heikel – kein Tipp, sondern eine Frage für Landesrecht und Verein. Besser: tiefe Stellen meiden, wenn du zurücksetzen willst, oder dort bewusst entnehmen, wo es erlaubt ist. Mehr zur kalten Jahreszeit: Zander angeln im Winter.

5. Naturköder und Widerhaken

Naturköder und Widerhaken erhöhten die Sterblichkeit in der Meta-Analyse signifikant. Im niederländischen Versuch überlebten Hechte vom lebenden Köderfisch deutlich seltener als vom toten. Ob lebender Köderfisch überhaupt zulässig ist, regeln Tierschutz- und Landesrecht.

FaktorRisikoDein Handgriff
Hakensitztief in Schlund oder Kiemen, blutende Kiemenzügig anschlagen; tief sitzend: Vorfach am Hakenöhr kappen statt reißen (soweit erlaubt)
WassertemperaturSterblichkeit steigt mit der Wärme; Hecht und Forelle besonders empfindlichin den heißesten Wochen auf Zurücksetzen verzichten oder Art wechseln
Zeit an der Luftwirkt bei warmem Wasser stärkerim Wasser abhaken, höchstens zehn Sekunden fürs Foto
TiefeTrommelsucht bei Zander und Barschzum Zurücksetzen nicht tiefer als etwa 10 m fischen
Köder und HakenNaturköder und Widerhaken: mehr SterblichkeitKunstköder, Schonhaken, wo erlaubt

4. Was nach dem Zurücksetzen passiert

Der Hecht schwimmt weg – und trotzdem ist die Geschichte nicht vorbei. Am Kleinen Döllnsee (25 ha) haben IGB-Forscher 25 Hechte mit Sendern beobachtet. Zurückgesetzte Hechte wuchsen etwa 44 % weniger als nicht gefangene, wurden weniger aktiv (besonders nach mehrfachem Fang) und zogen sich ins dichte Schilf zurück. Einschränkung: ein See, kleine Stichprobe (Klefoth et al., 2011).

Im niederländischen Versuch brauchten Hechte nach 5 Minuten (300 Sekunden) an der Luft rund 15 Minuten bis zur ersten Schwimmbewegung und bewegten sich in der ersten Stunde kaum. Nach 6 Stunden waren die meisten erholt, in drei Wochen starb keiner. Die niedrigste Sterblichkeit hatten Fische, die gar nicht aus dem Wasser kamen (Sportvisserij Nederland).

Aus der Jury

Zerstört Catch & Release das Angeln? Mit dieser Frage war Maxi (Angeln Maximal) bei Prof. Dr. Robert Arlinghaus vom IGB an dessen Forschungssee.

Der See wurde geteilt: ein Schongebiet, eine lange stark beangelte Seite. Nach 10 Monaten wird verglichen, ob es bei Hecht und Barsch einen Unterschied gibt. Die Frage: Erinnern sich die Fische an die Köder – oder haben sie alles vergessen?

Wie der Versuch aufgebaut ist und was Maxi am See erlebt, siehst du im Video: „Zerstört Catch & Release das Angeln?“ auf YouTube.

Was heißt das für deine Köderwahl?

Belegt ist für den Döllnsee: Zurückgesetzte Hechte wurden weniger aktiv und zogen sich zurück. Ob das allein deine zähen Tage erklärt, weiß niemand. Klar ist aber: Wer jeden Tag dasselbe Gummi an dieselbe Kante wirft, hat keine Antwort parat, wenn die Hechte weniger aktiv sind. Also Köder, Führung und Stellen variieren.

Am bequemsten geht das mit der Better Fishing Box: Jeden Monat kommen neue Hardbaits und Gummiköder, ausgewählt von unserer Jury echter Angler – vielleicht auch Modelle, zu denen du im Laden nie gegriffen hättest. So kommt Abwechslung in deine Köderbox – Köder, die du an deinem Gewässer noch nicht durchprobiert hast, ohne dass du selbst suchen musst. Die XL hat mindestens 50 € Warenwert, die XXL mindestens 70 €.

Weil wir kein eigenes Lager leeren müssen, landet nur drin, was die Jury überzeugt. Bestell bis zum 15. November, dann geht deine erste Box am 16. November raus. Auch wer einmalig bestellt, bekommt genau diese Box am 16. November.

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Code einlösenEinmalig, solange der Vorrat reicht. Gilt nicht beim Monatsabo und nicht bei der einmaligen Box.

5. Fische schonend zurücksetzen: Schritt für Schritt

Die wichtigsten Stellschrauben kosten kein Geld, nur Vorbereitung: Wiegen, Messen und Fotos verlängern das Hantieren stark, warnt Sportfiskarna. Also alles vorher griffbereit legen.

  1. Kurzer Drill: Bremse sauber einstellen, nicht unnötig lange drillen – langes Drillen ist im Review ein Risikofaktor.
  2. Keschern: Nimm einen Kescher mit gummiertem Netz statt eines geknoteten Netzes. Mehr dazu im Beitrag Spinnfischen.
  3. Im Wasser abhaken: Den Fisch im Kescher abhaken und so wenig wie möglich über die Oberfläche heben. Lösezange und Seitenschneider liegen griffbereit. Hängt der Haken stark im Netz, lieber abkneifen.
  4. Anfassen: nasse Hände, nicht quetschen, Finger weg von Kiemenbögen und Augen (Fischereibehörde Virginia).
  5. Foto in Sekunden: Kamera vorher bereit, Fisch waagerecht halten und stützen, nicht über Sand oder Bootsrand schleifen.
  6. Zurücksetzen: Im Fließwasser Kopf gegen die Strömung, erst loslassen, wenn der Fisch selbst wegschwimmt.

Abhakmatte: Wann du sie brauchst

Musst du einen Hecht an Land abhaken, rät die irische Fischereibehörde zu einer nassen Abhakmatte. Ein feuchtes Tuch über Kopf und Augen beruhigt ihn. Nie an Schwanz oder Kopf hochheben, immer den ganzen Körper stützen, wiegen nur im großen Wiegesack.

Kiemengriff beim Hecht: so geht er richtig

Beim Kiemengriff öffnest du das Maul so: Finger unter den Kiemendeckel schieben, dort, wo er am Unterkiefer ansetzt. In die Kiemenbögen greifst du nie. Hartnäckige Haken: Widerhaken mit dem Seitenschneider abkneifen. Fürs Foto: knien, eine Hand unter den Kiefer, der andere Arm stützt den Körper, waagerecht knapp über dem Boden.

Schonhaken: Lohnt sich der Wechsel?

Schonhaken sind Haken ohne Widerhaken. Mit ihnen starben in der Meta-Analyse signifikant weniger Fische, und die norwegischen Forscher sehen kürzere Lösezeiten. Was an deinem Gewässer gilt, regelt die Gewässerordnung. Warum Hechte im Drill aussteigen und was du dagegen tun kannst, steht im Beitrag Hecht Köder.

Checkliste fürs schonende Zurücksetzen

  • Kescher mit gummiertem Netz
  • Lösezange mit langer Spitze und Seitenschneider griffbereit
  • nasse Abhakmatte und feuchtes Tuch für Hechte an Land
  • Kamera bereit, bevor der Fisch kommt
  • Stahl-, Titan- oder Hardmono-Vorfach, wo Hechte vorkommen
  • Wassertemperatur im Blick: bei sehr warmem Wasser auf Zurücksetzen von Hecht und Forelle verzichten oder auf andere Arten ausweichen
  • zum Zurücksetzen von Zander und Barsch nicht tiefer als etwa 10 m fischen
  • Erlaubnisschein, Gewässerordnung, Schonzeiten und Mindestmaße geprüft

6. Haben Fische Schmerzen?

Spätestens beim Grillen am Steg kommt sie: Fühlen Fische Schmerz? Die Antwort der Forschung ist unbequem für beide Lager. Fische nehmen schädliche Reize wahr und reagieren darauf. Ob sie das bewusst als Schmerz erleben wie wir, ist offen.

Was die Forschung sagt

Sneddon und Kollegen wiesen bei Regenbogenforellen Nozizeptoren am Kopf nach, die auf Druck, Hitze über 40 °C und Essigsäure reagieren. Nach schädlichen Reizen an der Lippe bewegten die Forellen die Kiemendeckel schneller, fraßen später wieder und verhielten sich auffällig. Fazit der Autoren: deutliche Belege für Nozizeption bei Knochenfischen.

Rose, Arlinghaus, Cooke und Kollegen halten dagegen: Fische haben wenige C-Fasern, und ihnen fehlen die Hirnareale (Neokortex), die beim Menschen für Schmerzbewusstsein als nötig gelten. Nozizeption sei nicht gleich Schmerz, die Belege für bewusstes Schmerzerleben reichten nicht. Laut Pressemitteilung fehlt ein endgültiger Beweis in beide Richtungen – die Pflicht, Stress und Schaden zu minimieren, bleibt.

Einschränkungen: 2003 war ein Laborversuch an einer Art, 2014 ein Review, das Belege bewertet, aber selbst nichts misst.

Quelle: Sneddon, Braithwaite & Gentle, Proc. R. Soc. B (2003); Rose et al., Fish and Fisheries (2014); Pressemitteilung Forschungsverbund Berlin (2013)

Für dich am Wasser ändert die Debatte wenig: Ob der Hecht leidet oder „nur“ Stress hat, die Handgriffe aus Abschnitt 5 bleiben dieselben.

7. Wer setzt eigentlich was zurück?

Eine IGB-Studie wertete rund 19.800 Fangprotokolle aus zwei einjährigen Tagebuchstudien in Niedersachsen und Mecklenburg-Vorpommern aus. Bei Forelle, Dorsch, Zander und Aal wurden mehr als 90 % der maßigen Fische entnommen. Karpfenartige kamen zu mehr als der Hälfte freiwillig zurück. Große Hechte und Karpfen kamen häufiger zurück, mittelgroße Fische wurden am häufigsten mitgenommen.

Und wer setzt zurück? Ältere und wenig erfolgreiche Angler entnehmen mehr, junge, erfahrene und häufig fischende setzen mehr zurück. Wer mit früheren Fängen zufrieden war, setzt später mehr zurück – frühere Erfolge prägen spätere Entscheidungen, fasst Arlinghaus sinngemäß zusammen.

Laut Pressemitteilung überleben nach früheren Studien bei der großen Mehrheit der Arten 90–100 % der zurückgesetzten Fische, schonendes Gerät und Handling erhöhen die Chancen (IGB-Pressemitteilung, 2025; Studie: Birdsong et al., 2025). Das passt zum Median von 7,8 % aus Abschnitt 2: Die meisten Fälle gehen gut aus, wenige schlechte Situationen ziehen die Sterblichkeit im Schnitt nach oben.

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8. Häufige Fragen zu Catch and Release

Ist Catch and Release in Deutschland verboten?

Das lässt sich nicht pauschal sagen, denn eine bundeseinheitliche Regel gibt es nicht. Entscheidend sind das Tierschutzgesetz mit dem „vernünftigen Grund“, das Fischereirecht deines Bundeslandes und die Gewässerordnung – frag im Zweifel deinen Verein.

Wie viele Fische überleben das Zurücksetzen?

Die große Mehrheit: Im Mittel sterben laut einer Meta-Analyse 15,9 % der zurückgesetzten Süßwasserfische, der Median liegt bei 7,8 %. Hechtartige: 14,9 %, Barschartige wie Zander und Barsch: 19,9 %.

Können Fische Schmerzen empfinden?

Das ist wissenschaftlich offen. Fische reagieren auf schädliche Reize, ob sie Schmerz bewusst erleben, ist umstritten – Stress klein halten gilt so oder so.

Wie lange darf ein Fisch aus dem Wasser?

So kurz wie möglich, die Initiative Keep Fish Wet nennt höchstens zehn Sekunden. Am besten bleibt der Fisch ganz im Wasser.

Was ist Trommelsucht?

Trommelsucht entsteht, wenn sich bei Zander und Barsch (geschlossene Schwimmblase) das Gas ausdehnt, weil sie aus großer Tiefe geholt werden. Zum Zurücksetzen besser nicht tiefer als etwa 10 m fischen.

Lernen Fische, Köder zu meiden?

Das ist nicht abschließend geklärt. Belegt ist, dass zurückgesetzte Hechte in einer Studie weniger aktiv wurden – ob sie sich an Köder erinnern, ist die Frage in Maxis Video.

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Hier schreiben Raubfischangler für Raubfischangler. Die Köder für unsere Boxen wählt eine Jury echter Angler aus: Maxi (Angeln Maximal), Joshi (Joshinator), David (Angeln like a Boss), Victor (Ich geh‘ angeln), Felix (Freewater Felix) und Colin (Colin Catchup). Lerne die Jury kennen.

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