Angeln bei Regen kennst du so: Die Kapuze tropft, die Finger sind klamm, der dritte Köderwechsel bringt nichts, und irgendwann fragst du dich, warum du nicht einfach eingepackt hast. Auf einer Insel in der Wildnis Skandinaviens stellt sich diese Frage nicht. Wer nicht fängt, isst nichts.
In Folge 6 von Catch to Survive kommt alles zusammen: Dauerregen, Wind, ein Wetterumschwung und drei Stunden auf der Uhr. Und dann versenkt ein Team in vier Würfen beide schweren Jigköpfe. Einen davon nicht am Fels, sondern am eigenen Knoten.
Warum am Ende ein Fisch das Spiel dreht, mit dem keiner gerechnet hat, wer plötzlich mit einer prall gefüllten Angeltasche auf der Insel steht und was die Forschung zu Wind und Wetter sagt, kommt gleich.
Die Geschichte in 30 Sekunden
- Catch to Survive: elf Angler, zwei Teams, zwei Inseln, sieben Tage. Tag 5: Dauerregen.
- Team Alpha muss seinen „Barschkönig“ Peter an Team Beta abgeben.
- Challenge: in drei Stunden den größten Fisch durchräuchern. Der Preis soll die Fangchancen verzehnfachen.
- Alpha fischt die Windkante, Beta die tiefe Kante, und dort sind die schweren Jigköpfe schnell weg.
1. Tag 5: „Es hat sich so richtig eingeregnet“
Bei Team Alpha beginnt Tag 5 mit einem Geräusch, das jeder Camper hasst: Regen, der aufs Zelt prasselt. Die Nacht war noch warm, doch jetzt hat es sich eingeregnet. Die Feuerstelle ist komplett nass, nur das abgedeckte Feuerholz hat überlebt. Kalt ist es nicht, aber eben alles nass.
Alpha macht das Beste draus und wählt Kai einstimmig zum neuen Captain. Sein Auftrag: „Führe uns durch den Regen.“ Zwei aus dem Team gehen angeln, einer davon ist Peter. Sie kommen ohne einen einzigen Biss zurück. Jeder, der schon mal einen Schneidertag im Regen hatte, kennt die Stimmung danach.
Und es wird nicht besser. Team Beta darf sich jemanden von Alpha holen und nimmt ausgerechnet Peter, den Mann, den sie bei Alpha ihren „Barschkönig“ nennen. Er hat 60 Sekunden zum Packen, und die Säge des Teams muss er auch noch mitnehmen. Zum Abschied gibt er seinem alten Team einen Rat mit: „Vertraut in den Spinner.“
Drüben bei Beta regnet es von oben und von der Seite. Bei Alpha heißt es derweil: „Die haben alle Infos. Wir wissen nichts und die wissen alles.“
2. Drei Stunden, ein Räucherofen, zehnfache Fangchance
Dann der Brief: An Tagen mit widrigen Bedingungen braucht man Reserven. Jedes Team baut einen Räucherofen und räuchert einen frischen Fisch vollständig durch. Der größte gewinnt die bisher wichtigste Belohnung. „Sie wird eure Fangchancen verzehnfachen.“ Der Haken: Der fertige Fisch geht an die andere Insel. Zeit: drei Stunden.
Bei Alpha ist das Problem sofort klar: „Unser Problem ist der Fisch.“ Drei Leute angeln, zwei bauen. Die Bauabteilung gräbt ein tiefes Erdloch, auf die Glut kommt nasses Birkenholz, oben drauf dick Moos. Je nach Größe bleibt der Fisch 15 bis 25 Minuten drin. Am Ende hat der Ofen sogar eine Tür, im Dauerregen.
3. Wind an der Kant: Alpha sucht die Barsche
Einer aus Team Alpha geht in Wathose an eine Stelle, „wo der Wind vorbeidrückt“. Dort lief es die letzten Tage, vorne auf der Spitze hat er einen Hecht verloren. Sein Spruch: „Wind an der Kant, Fisch in der Hand.“ An den Kanten, auf die der Wind drückt, versammeln sich oft die Fische, und hier drückt er seit anderthalb Tagen hin.
Praktisch ist es „ziemlich windig“. Den Köder weit rauszubekommen, ist schwer, und gesucht ist „kein 15-cm-Barsch“. Also wechselt er auf einen schwereren Köder, weil der Wind den Wobbler viel zu leicht erfasst. Kennst du: Der Wind trägt den Köder überallhin, nur nicht dahin, wo du willst.
Er ist nicht der Einzige, der für Alpha angelt. Später kommt Felix vom Angeln zurück: „Zwei Barsche habe ich.“ Bald liegen die ersten drei im Ofen, einer davon ein ganz guter von Felix. Der Ofen raucht auf Hochtouren, und die Barsche werden „golden wie so eine Forelle“.
Ein zu kleiner darf zurück. „Die Stelle hier läuft einfach“, heißt es, und später: „Fische sind richtig on fire.“ Einer zählt nach: zwei Barsche, so 32, 33, für diese Insel echt gut.
Was die Forschung sagt
Angeltagebücher aus 21 Seen in Mecklenburg-Vorpommern (2006/2007) zeigen: Wer angelte und wie, hatte großen Einfluss auf die Barsch-Fangraten. Kunstköder fingen mehr Barsche pro Stunde als Naturköder, Naturköder im Schnitt größere.
In einem Baggersee (2008, 191 Barsche in 30 Stunden an 5 Tagen) war die Fangrate im September fünfmal so hoch wie in den anderen Monaten, statistisch nicht prüfbar. Die Hälfte der untersuchten Septemberbarsche hatte einen leeren Magen, die Autoren sehen Futterknappheit als Grund. Einschränkung: ein Bundesland, ein Baggersee, Juni bis September. Wind und Regen wurden nicht untersucht.
Quelle: Heermann, Emmrich, Heynen, Dorow, König, Borcherding & Arlinghaus, Fisheries Management and Ecology 20 (2013)
Heißt: In diesem einen See bissen die Barsche im September deutlich besser, nach Deutung der Autoren, weil sie hungrig waren. Und wer wie angelt, mit welchem Köder und wie viel Erfahrung, beeinflusste die Fangraten stark.
4. Zwei Jigköpfe in vier Würfen
Team Beta will größer. Zwei Angler stehen an der tiefen Kante, mit der frisch gewonnenen Zanderrute, „schön lang, schön steif“, und einem relativ schweren Jigkopf. Die Absinkphase dauert fast zwei Minuten. Kennst du: Du starrst auf die Schnur, zählst mit und hoffst, dass unten kein Fels wartet. Hier wartet viel Fels mit Spalten, und man ist „so limitiert hier mit Jigköpfen“.
Dann ist der Köder weg, aber nicht durch einen Hänger: „Der Knoten ist aufgegangen vom Vorfach.“ Gebunden hat ihn der Angler selbst, ohne Brille, und beim Abknipsen war er wohl zu nah dran. Zum Neubinden ist nichts dabei, also zurück ins Camp. Wem der eigene Knoten schon mal einen Köder gekostet hat, kennt das Gefühl.
Die Rute wandert zum Knoten- und Technikmeister des Teams. Erster Wurf, gleiche Stelle, abgerissen. Bilanz: beide Jigköpfe in vier Würfen versenkt, kein 14-g-Jigkopf mehr. Mit den leichten? „Da brauchen wir Stunden, bis wir unten sind.“ Und: „Zweimal in vier Würfen, das ist zu viel für die Nerven.“
Dazu verschwinden die Köderfische, die unter einem Stein lagen, vermutlich ein großer Vogel. Immerhin fängt Peter einen kleinen Barsch „für meine Integration“. Der Erzähler zieht Bilanz: alle Jigköpfe abgerissen, die tiefstehenden Zander nicht mehr erreichbar. „Team Alphas Plan scheint eher aufzugehen.“
5. Angeln bei Regen, Wind und Wetterumschwung: Was stimmt?
Bevor wir verraten, wie es ausgeht: Beißt bei so einem Wetter überhaupt etwas? Zu Wind, Regen und Luftdruck haben wir eine Studie gefunden, allerdings an Hechten.
Was die Forschung sagt
Am Kleinen Döllnsee (25 ha, etwa 80 km nordöstlich von Berlin) wurden 20 Hechte von Mai bis November 2005 per Radiotelemetrie verfolgt. Windgeschwindigkeit, Luftdruck, Sonnenscheindauer und Regen fassten die Forscher zu einem Wetterfaktor zusammen.
Die Schwimmaktivität stieg mit der Wassertemperatur und mit diesem Faktor, also bei Wetter mit mehr Wind, niedrigerem Luftdruck, weniger Sonne und mehr Regen. Einschränkung: Hecht statt Barsch, ein See, die Faktoren sind nicht einzeln getrennt, Aktivität ist nicht gleich Beißlaune, und Fangraten wurden nicht mit dem Wetter verknüpft.
Quelle: Klefoth, Kobler & Arlinghaus, Knowledge and Management of Aquatic Ecosystems 403 (2011)
Mieses Wetter heißt also nicht automatisch passive Räuber. Ein Grund, bei Schmuddelwetter automatisch zu Hause zu bleiben, ist das nicht.
Was Regen am Wasser ändert (Anglerpraxis)
Das hier ist Erfahrung, keine Forschung: Nach kräftigem Regen lohnen sich Einläufe, Gräben und Bachmündungen, wo frisches, angetrübtes Wasser reinkommt. Wird das Wasser trüb, greifen viele zu auffälligeren Ködern mit mehr Druck und Geräusch. Und die Regenpausen, wenn es plötzlich still wird, nutzt du zum Werfen statt zum Teekochen.
Barsch angeln bei Wind: Windkante, Köder, Abbruch
„Wind an der Kant, Fisch in der Hand“ ist Anglererfahrung, eine Studie dazu für Barsch haben wir nicht gefunden. Zeichen für ein Ufer, auf das der Wind länger drückt: Wellenschlag, Schaumstreifen, eingetrübtes Wasser, Kleinfisch an der Oberfläche. Verweht der Wind den leichten Wobbler, geh schwerer, mit Jigkopf oder Spinjig. Rutenspitze tief, Schnur auf Spannung, sonst siehst du den Biss nicht.
Wann du abbrichst
Regen allein ist kein Grund, Gewitter schon: Bei Donner oder Blitz sofort weg vom Wasser. Bei Sturm bleibt das Boot an Land, im Boot trägst du immer Schwimmweste. Kein Barsch ist eine Unterkühlung wert.
Und während wir hier über Luftdruck und Windkanten reden, läuft drüben bei Beta die Zeit ab, und draußen auf der Spitze steht noch einer.
6. Catch to Survive: der Wobbler da draußen
Die Zeit wird knapp. Kennst du diese letzten Minuten vor dem Einpacken, in denen jeder Wurf der letzte sein könnte? Genau da brüllt draußen auf der Spitze jemand. „Das ist Matthias.“ Panik bei Beta, ein großer Fisch ist eingestiegen.
Gebissen hat er auf einen Wobbler, „da draußen“. Der Fänger hielt ihn erst wieder für einen kleinen Hecht. Dann fällt das Wort, das jeder Angler nach so einem Tag kennt: „Erlösung.“ Er gibt zu, er war „kurz davor, die Nerven zu verlieren“. Und da liegt der Fisch: „irgendeine Forellenart“, für Beta schon die zweite. Laut Erzähler hat mit einer weiteren keiner gerechnet.
Jetzt wird es ein Gewissenskonflikt. Die Forelle ist laut Erzähler der leckerste und fettreichste Fisch, den man in dieser Region fangen kann. Wer gewinnt, muss ihn verschenken. Beta schickt den deutlich größeren Fisch, obwohl er eigentlich noch 20 Minuten im Ofen bräuchte.
Dann packt Alpha aus. Eine Forelle, dazu ein Brief: „Wir haben gehört, euch geht es schlecht“, mit kulinarischen Grüßen von Team Beta. Verwirrung: „An unserer Insel gibt’s keine Forellen.“ Hier gibt es „nichts als Barsche“.
Das Urteil: Alpha hat den perfekten Räucherofen gebaut, Beta den größeren Fisch. Beta durfte wählen zwischen einem Kajak und einem voll ausgerüsteten Profiangler für 24 Stunden. Beta nimmt das Kajak. Alpha bekommt den Profiangler.
Und der heißt Maxi. Angeln Maximal, aus unserer Jury. Mit einer komplett vollen Angeltasche: Snaps („richtig Luxus, dass man nicht mehr direkt anknoten muss“), Spinjigs in verschiedenen Gewichten, Crankbaits für die Barsche, dazu größere und schwerere Jigs. Alpha freut sich über schwerere Jigköpfe mit Gummifischen, die man „richtig rauspfeffern“ und an der Kante fischen kann.
Maxi bleibt nüchtern: „Der Spot ist krass entscheidend.“ Und das Kajak? Hätte er „selber auch“ genommen.
Aus der Jury
Maxi (Angeln Maximal) wählt bei uns die Köder für die Boxen mit aus. Die Folge gibt es hier auf YouTube, Felix‘ Hecht aus Folge 4 im Bericht Catch to Survive: Felix und der Hecht.
7. Die Insel der Barsche
Bei Beta beißt nach rund einer Stunde Angeln ein Fisch auf den Gummifisch für Zander. Klein, aber bloß nicht aus Reflex zurücksetzen, er wird geräuchert. Danach wird es zäh: Matthias versucht es vom Kajak, doch es ist windig, das Wetter schlägt um, und im Camp heißt es, das mögen die Fische eigentlich überhaupt nicht. Am Ende fängt Peter vom Kajak trotzdem einen Hecht, „nicht dick, aber ist ein Hecht“.
Bei Alpha zahlt sich Maxi am Abend aus, er bringt einen dicken Barsch mit. Am Feuer gesteht einer erleichtert, es beruhige ihn, dass auch der Profi hier nur Barsch fängt. Es ist eben die Insel der Barsche. Maxi gibt zu: „Ist nicht so einfach.“ Dann gibt es Forelle von Beta, und sie schmeckt. Morgen scheidet ein komplettes Team aus.
8. Was wir aus Folge 6 mitnehmen
Beta kommt ohne schwere Jigköpfe nicht mehr runter, Alphas Wobbler verweht im Wind. Dann kommt Maxi mit voller Tasche: Snaps, Spinjigs in verschiedenen Gewichten, schwerere Jigköpfe – das, was beiden Teams vorher gefehlt hat. Kennst du vom eigenen Wasser.
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| Folge 6 | Team Alpha | Team Beta |
|---|---|---|
| Challenge (ca. Min. 30–56) | Windkante, schwererer Köder, Barsche laufen | Tiefe Kante, beide Jigköpfe in vier Würfen weg |
| Wende (ca. Min. 60–81) | Bester Ofen, bekommt Forelle und Maxi | Forelle auf Wobbler, wählt das Kajak |
| Abend (ca. Min. 84–87) | Maxi fängt einen dicken Barsch | Fisch auf Gummifisch, Hecht vom Kajak |
Checkliste: Angeln bei Wind und Regen
- Bei Gewitter gar nicht erst los, bei Sturm kein Boot.
- Ufer suchen, auf das der Wind seit Stunden drückt, am besten mit Kante.
- Köder in mehreren Gewichten, Ersatz-Jigköpfe, Snaps und Vorfächer dabei.
- Knoten prüfen, notfalls mit Lesebrille.
- Entnahme nur nach Landesrecht und Gewässerordnung.
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9. Häufige Fragen zum Angeln bei Wind und Wetter
Beißen Fische bei Regen?
Ja, nach Anglererfahrung verhindert Regen allein keine Bisse; in Folge 6 fing Team Alpha im Dauerregen Barsche. Belegt ist dazu wenig: In einer Telemetrie-Studie waren Hechte bei Wetter mit mehr Wind, mehr Regen, weniger Sonne und niedrigerem Luftdruck insgesamt aktiver. Die Fänge wurden dabei nicht gemessen.
Wo angelt man bei Wind?
Am Ufer, auf das der Wind drückt, besonders an Kanten. Das ist Anglererfahrung, nicht Forschung.
Beeinflusst der Luftdruck den Fang?
Belegt ist das nicht. In der Döllnsee-Studie wurde der Luftdruck nur zusammen mit Wind, Sonne und Regen als ein Wetterfaktor betrachtet, und gemessen wurde die Aktivität der Hechte, keine Fänge.
Ab wann sollte man nicht mehr angeln?
Bei Gewitter sofort, und bei Sturm bleibt das Boot an Land.

